RealCool

Real cool runnings – Von Kenia aufs Eis oder Arne Gabius der “Terrorist“ 😉

Zusammen mit Simion hatte ich mich auf meinen langen Lauf von Iten nach Eldoret gemacht. Heute war Sontag. Gestern war ich knapp einem Terroranschlag entkommen. Der “Terrorist“: Arne Gabius. Nachdem ich Freitag Tempoläufe gemacht hatte, gönnte ich mir zusammen mit Alex (Gewinnerin von 3 Wochen Kenia) das Luxusessen im 1 km entfernten Kerio View. Nachdem ich Arne zu seinem überragenden Ergebnis in New York gratuliert hatte – für mich eines der besten Laufergebnisse seit vielen Jahren auf der Langstrecke – sprachen wir über das Training usw. Das Ende vom Lied war, dass er meinte ich solle doch morgen Früh um 6 mit ihm und Zane Robertson den langen Lauf machen. Sie machen 35 km, er nur 20 km und sie fangen im 4er Schnitt an, und nicht zu schnell. Ah ja, sie fangen im 4er Schnitt an. Klar, sicher, ich habe Robertson bei uns im Gym gesehen, der Typ ist on fire, wie von der Tarantel gestochen ist der da rumgesprungen, so was habe ich noch nie gesehen…ach ja und 5000m läuft er auch in 13:11 und Arne sagt was von 4er Schnitt anfangen? Äh, nein Kollege, vor 3 Monaten hatte ich noch 80 kg, und du rennst gerade 1:02 Halbmarathon, wenn ich sterben will, fahr ich noch ein paar mal Matatu. Ich sollte recht behalten, Samstag Mittag traf ich Arne und Zane in Eldoret. Ich wollte natürlich wissen, wie der Lauf so war. Ja die ersten 20 km so um 3:40 und bisschen schneller, Zane ist die letzten 5 km in 15 Minuten gelaufen. Ah ja, danke für das Gespräch, ihr Terroristen, einmal im Leben war ich wohl vernünftig. Und als ob das nicht reichen würde, musste Arne weiter versuchen seine terroristischen Aktivitäten gegen mich auszuüben ;). „Wir waren gerade beim Inder, das ist so lecker genial“. „Ja verdammt, ich trinke gerade auf deine Empfehlung hier im Kaffee den 3000 Kalorien Mocca Milchshake, habe noch nicht gegessen und du erzählst mir das jetzt? Wo ist denn der Laden?“ Natürlich sind Alex und ich dorthin. Was soll ich sagen, so viel und so gut habe ich ewig nicht gegessen. Herzlichen Dank Arne, meine Abnehm-Challenge verlängert sich nun durch dich um weitere 3 Jahre ;).

Zurück zum Lauf nach Eldoret. Als wir nun unsere 35 km absolviert hatten, war mein einziger Gedanke „Wasser“. Simion meinte, wir können uns mit der gekauften Wasserflasche in dieses Freiluft-Kaffee setzen, es gehört einem Freund. Wir saßen also draußen als Simions Cousin plötzlich auftauchte. Er stellte sich mit Sammy vor. Wir kamen ins Gespräch, er meinte, er war in Deutschland für drei Monate, irgendwas mit Eislaufen sollte er da machen? „Hä, was ist los, welche Drogen nehmen die hier, dachte ich mir“. Als wir uns verabschiedeten lud er mich für den nächsten Tag in sein Haus ein. Als ich wieder im Camp war, erzählte ich Alex von „Sammy“. Tatsächlich, sie kannte ihn sofort, da gab es wirklich so eine Sendung auf VOX https://www.facebook.com/RealCoolRunnings mit Anni Friesinger. Ich habe mir dann schnell die erste Staffel angeschaut, man war das lustig. Am nächsten Tag machten wir uns dann auf, Sammy zu besuchen. Auch Isaac, ein andere Teilnehmer der Serie war da. Es war ein toller und lustiger Mittag, Sammy liebt „Leberkäse“, Isaac mag lieber „Schnitzel mit Pommes“. Ja Jungs, und wie fett wart ihr nach 3 Monaten? Beide hatten etwa 6 kg zugenommen in Deutschland J.  Ja, und Eislaufen wollen Sie beide auch nicht mehr… Ein toller Nachmittag mit tollen Menschen in Eldoret!

 

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Die Angst, es einfach zu tun…

BildGestern habe ich Ihn mal wieder gefunden, den kleinen Virus, der sich in meinen Kopf festsetzt und (Selbst)-Zweifel auslöst. Nein, das geht nicht, das kann ich nicht, das brauche ich erst gar nicht zu versuchen. Es ging um das Tempotraining, das für heute auf der Bahn anstand. Geplant waren 2 Meilen in etwa 3:17 pro km, dann 1 Meile in 4:48 (3er schnitt) und dann noch 3 x mal 1km um die 3 min. pro km. Klar, sowas habe ich früher locker gemacht, früher! Aber nicht in der Höhe und nicht nach diesen letzten 5 Jahren und etwa 1,5 Jahren ohne Bahntraining. Ach ja, und 220 km mit doch auch anständigen Einheiten in meinen Beinen waren auch noch da… Mark Draper, ein 13:26 Läufer über 5000m mit einem natürlichen Talent, für den wird das ja ein Kinderspiel sein… Ach ja, die Gedanken, der Kopf, wie oft hatte er mir die letzten Jahre den letzten Nerv und das Selbstvertrauen in Sachen laufen gestohlen. Talent hast du eh keins…

Um 6.30 stand ich also auf und frühstückte, damit wir auch pünktlich mit unserem Training um 9h beginnen konnten. Als ich dann mit Mark beim Frühstück saß, sagte der Coach des Camps „die first Lady besucht heute die Laufbahn, ihr könnt erst ab 10 auf die Bahn“. Na gut, so ist es eben, nicht schön und auch noch Hitze… Kurz vor 10 war der Coach plötzlich wieder da und sagte, dass die First Lady bis 3 Uhr nachmittags dort sein wird. Na super, also Notfallplan: ich machte 12 km locker um 10:30. Wunderbar, noch müder und dann in der Nachmittagshitze Tempo. Mark und ich hatten schlechte Laune. Nach dem Vormittagslauf setzte ich mich an meine Bücher. Meine Gedanken schweiften ab: „Toll, das schaffe ich erst recht nicht heute Abend, ich bin müde, alles tut weh“. Der halbe Tag war Stress, mein Kopfkino mit „wie schlecht es doch sicher laufen würde“ und welch Schmerzen ich haben werde, wiederholten sich im Minutentakt. Dann erinnerte ich mich auf einmal an die letzte Tempotrainingseinheit mit meinem Kenianischen Freund Simmion. Er fragte mich: „What pace we wanna try?“. Ich antwortete irgendwas, sagte aber auch, es wäre mir lieber, es nicht nur zu versuchen sondern auch zu schaffen. Simmion meinte: „In Kenia „we try“ means we will do it, at least push as hard as it is possible“. Aha, dachte ich, in Deutschland ist das „Probieren“ doch eher das Ausprobieren und nicht das „Schaffen“. Da saß ich also nun mit meinen Zweifeln, ob ich es schaffen würde, und voller negativer Energie. Doch weshalb? Was kann denn passieren? Man, bin ich blöd! Vor ein paar Monaten konnte ich noch kaum laufen und sah aus wie Boris B. für Arme, und jetzt heule ich hier rum wie ein kleines Mädchen, weil ich womöglich nicht ganz so schnell sein werde wie erhofft? Interessiert doch eh keinen außer mir, du Bekloppter! Davon lasse ich mir die Laune verderben, anstelle zu genießen, schmerzfrei zu rennen und das Privileg zu haben, mich bis ans Limit pushen zu dürfen, bis zur letzten Erschöpfung? Auf einer Bahn zu Rennen mit Mo Farah? Außerdem, wie viele Leute sind krank im Krankenhaus oder sonstwo und können all dies nicht tun? Waldemar Cierpinski erzählte mir einmal, wie ein Reporter am Abend vor seinem Olympiasieg in Moskau zu ihm sagte: „Waldemar, wenn es dir morgen im Rennen schlecht geht, dann laufe für all die Leute die in diesen Stunden nicht laufen können, denke an Sie und laufe so schnell und so hart es geht“. Am nächsten Tag, als es in die entscheidende Phase ging, und alle Muskeln schmerzten, dachte Waldemar genau an diese Worte. Er lief nicht nur noch für sich, er lief für die vielen Kranken in ihren Betten, die nicht laufen konnten. Ja, er lief so hart er nur konnte – wie es ausging, ist bekannt… und ich sitze hier und bemitleide mich. Nein, was zum Teufel, freue dich darauf! Meine Stimmung kippte, „lets just run“! Wie das Training lief? J Der letzte KM war in 2:55, für mich im Moment nicht unbedingt erreichbar… was habe ich gerade gesagt? Nicht erreichbar? Ist doch völlig egal, gib einfach dein Bestes, gib alles was du hast…

Ein Halbmarathon in Kenia

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Die ersten Tage sind vorbei, ein erstes leichtes Tempoprogramm stand Donnerstags an, Tag 6. Ich hatte entschieden, mich Maja Neuschwander anzuschließen. Das Programm: 10 x 1000 und 10 x 500 mit je 2 Minuten Trabpause. Das Interessante an der Sache: Die Einheiten werden auf Aschenbahn absolviert, aber auf keiner Luxusvariante, wie in Deutschland. Loch hier, Loch da, und die Länge ist auch nicht so genau bekannt. Es ist der Wahnsinn was dort los ist, nicht 2 Läufer oder 3 wie bei uns in Deutschland, nein, Gruppen aus 20 Läufern drehten Ihre Runden. Das Training war schon etwas Besonderes, alle 2 Minuten wurden wir von einem Kenia-Train überholt. Was für ein Niveau, was für eine Leistungsdichte. Es war ein wunderschönes erstes Belastungstraining. Der Kenia ICE Train, Kenia ICE B Train, der ICE C Train und schlussendlich tuckerte ich mit dem Europe D-Zug Train über den Rübenacker – was für ein Training J !
Das erste richtige Training sollte am Samstag stattfinden. Als ich dann erfuhr, dass in der Nähe ein Halbmarathon stattfinden würde, war mir klar, dass ich das als hartes Training nutzen würde. Der Name des Marathons http://riftvalleymarathon.com/; Freitags war dann der erste wirkliche Regentag, Regentag ist nicht wie bei uns ein bisschen Regen, nein, es ist, als würde man die Toilette hinuntergespült werden (zumindest glaube ich, dass es sich so anfühlen würde). Dementsprechend rannte oder rutschte ich dann vor dem Wettkampf über die Lehmstrassen von Iten. Wow, dachte ich, wie wird dann erst die Strecke vom Halbmarathon aussehen…
Abfahrt war für 5.30 Uhr geplant. Start um 8. Uhr. Pünktlich um 6.15 Uhr tuckerten wir los Richtung Rift Valley. Erstaunlich: Die 90-minütige Fahrt lang habe ich nahezu durchgeschlafen. Vielleicht lag es daran, dass eine Autofahrt sich hier anfühlt wie „Einschlafschaukeln“ von einer Mutti. Um 7:45 Uhr kamen wir also an. Aha, was, wo wie Start? Chip? J Aha, da an dem Stein können wir uns nachmelden. Aha, die Strecke hat sich geändert. Ok, und Start ist um 8… Uhr ? Nein, doch um 9 oder doch 9.15? Ach, was soll´s. 3Irgendwo entdeckte ich die Startlinie. Ein wichtiger Offizieller sprach noch zu der Läuferschar. Ok, ich ordnete mich den Gewichtsklassen nach in der zweitletzten Reihe ein, vor den Missionaren aus den Staaten. Bla Bla Bla… Polepole, ewig sprach der wichtige Offizielle. „We are Kenian, we take the lead and we win“ … ok, klar, also lass uns anfangen, ich take the lead. Startschuss. Vollgas, was ist hier los, das sind Frauen vor mir? Nein, die gehen jetzt nicht schneller an als ich. Kilometer 3, ich bin im mittleren Mittelfeld (vielleicht auch am Ende des Mittelfeldes ;)). Häää, die Zwischenzeit 9:30 und es ging über Stein und was weiß ich was. Da sind doch 4 Frauen vor mir… Das gibt’s doch nicht, ich bin tot, am Ende, Laktat im Ohr und überall, und 3 Frauen vor mir bei Kilometer 3. Es geht weiter… bam bam, whatever, quäl dich, dicker muzungu. Nach 10 km geht es bergab, nein, nicht bergab, einen Abhang runter, 3 km lang über steine und Flüsse und ich renne wie ein irrer und denke nur „wow, wenn ich jetzt fliege, dann war´s mein letzter Absturz.“ Volle Kanne geht es runter, und ich werde noch immer überholt … (meine Gedanken an dieser Stelle werden zensiert). Kilometer 13, das ist jetzt nicht wahr, es geht wieder bergauf, und zwar richtig brutal. Das ist mein Ende, meine Waden brennen, ich hasse alles, warum mache ich das hier?! Alles tut weh. Wenigstens überhole ich, noch 2 Frauen sind vor mir. Die Uhr habe ich längst abgeschaltet. „Muzungu how are you“ tönt es aus dem Busch… was? Fragen die mich das wirklich? „Muzungu feels very well, 2 girls in front of me, I feel like dieing, ahhh, what the ….?“. Ich hoffe nur, dass es bald vorbei ist. Es ist nicht vorbei…der Berg geht weiter… mein Kopf spuckt den lyric von „I just died in your äh hills tonight“… Alles hat ein Ende, auch dieses Rennen. Endlich der Rasenplatz, oh nein, jetzt geht es tatsächlich nochmal im Zickzack über den Platz für etwa 800 Meter… Da, die Erste Frau, die hole ich noch, naja, sonst nicht meine Art, aber ich musste sie leider doch überspurten. Endlich im Ziel. Völlig fertig. Oh nein, was ist jetzt, ein Interview mit dem ersten Muzungo? Irgendwie beschämt schritt ich zum Sprecher. Na was soll ich sagen „ I love it here, and even more i love it to see how bad I am in comparison to you guys“… Ja ja, da lachen sie und freuen sich :). Was für ein Erlebnis und toller Tag! Ja und morgen kommt auch endlich die Gewinner im Camp an, die Alex aus Lüneburg, mal sehen ob wir uns so ein bisschen verstehen werden 😉

Mehr dazu im nächsten Blog, euer Tobi

 

Polepole, how are you?

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Angekommen in Kenia, alles Polepole. Das Camp hat einen Pool, einen Fitness Raum, alles was man als Sportler braucht. Wenn man nun die Zimmer und das Essen beschreiben sollte, dann würden es wohl die meisten von uns als „einfach“ bezeichnen. Tja, seit ich meine ersten Läufe durch das Kenianische Land gemacht hatte, dachte ich nur: „wie dehnbar ist dieser Begriff “einfach“ wohl ist“. Die Leute leben in großen Teilen in einfachsten Verhältnissen, was wir Europäer beispielsweise als „einfache Hütten“ bezeichnen,“ ist für den durchschnittlich verdienenden Kenianer purer Luxus. Mann, haben wir es doch schön!

Die ersten Tage lief alles ganz gut. Im Vordergrund standen ruhige Läufe. Junge, Junge, ging mir die Pumpe, der weiße, dicke Muzungu wackelte im 5-Minuten Schnitt durch die Lehmlandschaft, die lieben kleine Kinder schrien alle „How are you Muzungu?“ und kicherten, oder lachten sie mich womöglich aus? J
Die einzigen, die mein Dauerlaufniveau hatten, waren die Kühe, die einem zu Hauf auf den Wegen begegnen. Teilweise rennen schon Fünfjährige barfuß mit, ja und das sogar einige Kilometer… die Dauerläufe verliefen wie im Flug. Die Anpassung lief eigentlich wirklich gut, so konnte ich das Niveau ständig erhöhen. Neben dem Laufen hatte ich vor allem mit meiner Hausarbeit zu kämpfen. Das Internet war dabei mein größter Gegner, Polepole – langsam, langsam! Es dauerte alles Stunden, alles länger als gewohnt, und die Aggression nahm teilweise schon bedenkliche Ausmaße an. Da sitze ich also da, schreibe, oder besser, ich versuche es, gegenüber von mir sitzt der nette Evans, einer der Angestellten. Als wieder eine meiner Fluchattacken über die Internetgeschwindigkeit einsetzt, folgt ein beinahe philosophischer Kommentar von Evans: „ Better slow then nothing“. Ich musste so lachen – da sitze ich da, versuche nach Quellen für meine Arbeit zu suchen, bleibe schon bei der Google Startseite hängen und dann sagt er sowas…

Die Trainingsintensität nimmt jetzt langsam zu, ich denke die nächsten Tage kann ich einsteigen und die ruhigen Dauerläufe der Barfuss-Grundschüler bis 7 Jahre mitmachen… Es ist unglaublich, welch ein Niveau an Läufern hier unterwegs ist. Ja, und was macht man an dieser Stelle am besten? Richtig, man meldet sich zu einem Halbmarathon in der Läufer-Hochburg an. Let´s see how bad I am J.

Mehr dazu im nächsten Blog.

Euer Tobi

Jambo Jambo Kenia

Tobi Sauter bloggt aus Kenia: Der deutsche Spitzen-Langstreckenläufer Tobias Sauter vom Lauf Team Haspa Marathon Hamburg ist vor Kurzem nach Kenia gereist, um die Gewinnerin eines Startplatzes zum Haspa Marathon Hamburg 2014 im Training fachlich zu begleiten und ganz nebenbei auch sich selbst auf Norddeutschlands größten Marathon vorzubereiten. Wie spannend schon die Anreise war, könnt ihr in seinem ersten blogg-Beitrag nachlesen – viel Spaß!

5 Jahre ist es her, dass ich das letzte Mal in Kenia war. Viel hat sich seitdem verändert, die Form ist lang nicht die, die sie 2009 war. Dann bekam ich die Möglichkeit, noch einmal in dieses Land zu reisen. Ich überlegte…ja wieso überlegte ich überhaupt? Was kann einem besser passieren, als alle paar Jahre aus seiner Welt, der stressigen westlichen Welt auszubrechen? Mal über den komfortablen Luxus-Tellerrand schauen? Werde ich nochmal die Möglichkeit haben, in den nächsten Jahren nach Kenia zu kommen? Nach fünf Minuten war mir klar, das mache ich. Die Reise begann letzten Freitag in Stuttgart – per Flieger ging es über Zürich, Amsterdam, Nairobi nach Eldoret und dann mit dem Auto nach Iten. Wie in den westlichen Ländern meist üblich, konnte ich mich auf pünktliche Verbindungen verlassen. In Zürich verpasste ich erst einmal die pünktliche Anschlussbahn, die nicht eine Sekunde warten wollte. Etwas unerwartet pünktlich verließen mich auch die Dienste meines Laptops in Amsterdam – super, just on time! Vor allem, wenn man noch eine Hausarbeit einreichen muss in der nächsten Woche und die Daten nicht gesichert hat. Das war es dann aber auch mit der gewohnten Pünktlichkeit.
Nairobi, Hauptstadt von Kenia: ich steige aus dem Flugzeug, da stehe ich also wieder, nach über fünf Jahren. Diesmal zuerst allein unterwegs. Da der Anschlussflug erst sieben Stunden später gehen sollte, hatte ich also eigentlich etwas Zeit. Kaum hatte ich das Ankunftsgate verlassen, kamen alle möglichen Sightseeing -Experten, die mir einen tollen Tagestrip anbieten wollten. Natürlich wäre ich pünktlich wieder am Flughafen. Pünktlichkeit in Kenia war mir noch ein Begriff, aber eben die kenianische Pünktlichkeit. Wenn der Masseur sich für 9 Uhr ankündigt, kommt er vielleicht gerade um neun von seiner eigenen Trainingseinheit, und wenn es gut läuft, ist er um 10 da, wenn es gut läuft… Oder die Erinnerung an den Flug damals im Jahr 2009 von Eldoret nach Nairobi. Leider gab es da eine kleine Verzögerung. Als wir schon alle im Flugzeug saßen, kam eine Durchsage: „Liebe Passagiere, leider ist der Tankwagenfahrer noch daheim beim Mittagessen, er beeilt sich, bitte alle nochmal aussteigen“. Aus der Erfahrung heraus ging ich auf Nummer sicher und verließ nicht den Flughafen.
Um 15 Uhr sollte es also weitergehen, kenianisch pünktlich begann das Boarding um 16 Uhr ohne jeglichen Hinweis auf eine Verspätung zuvor.
Zu diesem Zeitpunkt war mein Kopf so gar nicht in Kenia Stimmung, verdammt, auch noch der Laptop kaputt. Was mache ich jetzt? Woher bekomme ich Ersatz? Ich war mal wieder in meinem westlichen Stress gefangen, die pünktliche Abgabe der Hausarbeite muss in jedem Fall am 15.3. um 23:59:59 erfolgen, sonst ist es aus, mein westliches Leben ist zu Ende. Und dann noch hier, wo man sich ja so auf alles verlassen kann…Ich schaue in meinen Geldbeutel, Visa und Mastercard strahlen mich an, zusammen mit der EC Karte könnte ich mir hier im Notfall eine Hütte, ein paar Kühe, Schafe und ein paar Hühner kaufen. So, why seeking for Germany? ;). Naja so ganz konnte ich mich doch nicht an den Gedanken gewöhnen, dass es so kommen könnte, demzufolge war ich also Gefangener in meinem eigenen Gefängnis der Gedanken.
Ankunft am Flughafen Eldoret. Der Fahrer des Camps ist schon da. Was ist denn hier los? Pünktlich! Sein Name ist „San Gock“ – leicht zu merken, dachte ich, wie „Sank0t Martin“ eben „San Gockel“ ;). Dumm nur, dass ich mir zwar den Namen merken kann, aber die Kenianer irgendwie vom Aussehen kaum unterscheiden kann. Naja, ich sage einfach immer „my friend“, das kommt immer gut. San Gock klärt mich erst einmal über den wichtigsten Begriff in Kenia auf: „Polepole“, was so viel bedeutet wie langsam langsam. Und weiter: „just relax – hier ist alles langsam, außer das Rennen“. Gute Idee – just relax, bald bin ich für immer hier, wenn ich keine Lösung für meine Hausarbeit finde. Ganz im Stile von Polepole ging es nach Eldoret zum Einkaufen für die nächsten 2 Stunden. Dabei war ich einfach nur noch müde und kaputt nach etwa 35 Stunden Reise. Das wiederum war vielleicht gar nicht so schlecht, da ich mit vollem Bewusstsein den Fahrstil auf holprigem Boden und bei Linksverkehr, oder wie auch immer man das hier nennt, mitbekommen hatte. Nicht für 1000 EUR würde ich hier Auto fahren. Die wichtigste Regel lautet: „Immer hupen, wer nicht mit harten Bandagen fährt, kommt nie an“. Nach der etwa einstündigen Fahrt kam ich endlich todmüde im Camp an.
Im nächsten Blog berichte ich über das Camp und die ersten wunderbaren Eindrücke hier.

Bis dahin viele Grüße aus Iten und immer schön Polepole
Euer Tobi

Vorbereitung Haspa Marathon Hamburg 2014